Pressegrosso

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Ein Pressegrossist stellt die Vertriebsstufe zwischen dem Verlag und dem Einzelhandel dar. Während der Bahnhofsbuchhandel von den Verlagen direkt beliefert wird, erhalten die klassischen Einzelhändler (Supermärkte, Lottoläden, Tankstellen und weitere Geschäftsarten) ihre Presseprodukte über einen Grossisten. Die Grossosysteme unterscheiden sich dabei von Land zu Land.

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Meist, vor allem in kleineren Ländern wie Luxemburg, ist nur ein Grossist tätig. In Österreich gibt es dagegen drei Grossisten, die jeweils das gesamte Land beliefern und in Konkurrenz zueinander stehen. In Deutschland gestaltet sich das Grossosystem wesentlich komplizierter. Hier sind etwa 70 Grossisten tätig, die jedoch lediglich in einem jeweils abgegrenzten Gebiet agieren, weshalb diese als sogenannte Gebietsmonopolisten fungieren. Die Grenzen der einzelnen Gebiete sind historisch entstanden und haben sich zuweilen im Laufe der Jahre verändert. Ein Gebiet kann mehrere Landkreise umfassen und sogar über Bundesländer hinausgehen. So ist beispielsweise der Grossist „Pressevertrieb Mecklenburg-West" mit Sitz in Leezen bei Schwerin auch für Teile Brandenburgs und Niedersachsens zuständig, wohingegen der nordwestliche Teil Mecklenburgs wiederum von einem in Lübeck (Schleswig-Holstein) ansässigen Grossisten beliefert wird.

In aller Regel handelt es sich um mittelständische, zuweilen in Familienbesitz befindliche Betriebe. In einigen wenigen Fällen sind Großverlage die Gesellschafter eines Grossobetriebes. Dies ist vor allem bei Grossisten in den neuen Bundesländern der Fall. Im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung galt es zur Initiierung der Pressefreiheit möglichst rasch ein Pressevertriebssystem einzurichten. Dabei waren es letztlich die westdeutschen Verlage, die sowohl über das KnowHow als auch über das notwendige Kapital verfügten.

Die Grossisten ohne Verlagsbeteiligung haben sich im Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V. (branchenüblich kurz „Grossoverband" genannt), die übrigen dagegen in der Arbeitsgemeinschaft Pressevertrieb (APV) zusammengeschlossen.

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Aufgabe des Grossisten ist es, die von diversen Verlagen angelieferten Presseprodukte zu bündeln und an die in dem jeweiligen Gebiet ansässigen Einzelhändler auszuliefern. Zudem stellt er die Lieferung gegenüber den Verkaufsstellen in Rechnung, holt die Remittenden ab und führt das Inkasso durch.
Hier entsteht sowohl für die Verlage, als für den Einzelhandel ein Synergieeffekt. Denn ohne Grossisten müsste jeder Verlag für sich die 120.000 deutschen Verkaufsstellen beliefern und mit diesen abrechnen. Auch für den Händler würde dies ein nicht zu bewältigendes Arbeitsaufkommen darstellen, wodurch eine Lieferung „aus einer Hand", wie sie sich durch die Dienste des Grossisten ergibt, eindeutig von Vorteil ist.

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